Vereinsgeschichte
I. Die Geschichte des Rudersports
Die Anfänge des Ruderns reichen mehrere tausend Jahre zurück. Ruderboote dienten vielen Völkern als Transportmittel, aber auch bei kriegerischen Auseinandersetzungen wurden Ruderboote eingesetzt. Nachweislich wurden vor 10.000 Jahren Ruderboote für die verschiedensten Aufgaben verwendet.
In der Seerepublik des Stadtstaates Venedig erreichte das Rudern eine bis dahin nicht gekannte Blütezeit. Dort wurde auch im Jahre 1315 auf dem Canale Grande die erste Regatta ausgetragen.
Das sportliche Rudern entwickelte sich aus Vergleichswettkämpfen der englischen Universitäten Oxford ("Darkblues") und Cambridge ("Lightblues"). Im ersten Rennen 1829 siegte die Oxforder Mannschaft auf der sechseinviertel Kiliometer langen und damit "mörderischen" Regattastrecke. Das Rennen, das mit typisch britischem Understatement als "The Boat Race" bezeichnet wird, wurde bis heute (April 2009) 155 mal ausgetragen. 79 Siege gingen dabei an die Mannschaft aus Cambridge, 75 an Oxford. 1877 gab es ein "totes Rennen", vermutlich aber nur, weil der Zielrichter völlig betrunken war. Dieser traditionelle Wettkampf wird auch heute noch jährlich ausgetragen – im aktuellen Jahr 2009 siegte Oxford.
Mit der Zunahme der sportlichen Ruderwettkämpfe entwickelte sich auch die Ruder- und Bootstechnik. Die drei wichtigsten Erfindungen waren die Bootsausleger, der Rollsitz und die Drehdolle.
Bereits 1846 wurden von den Universitätsmannschaften leichte, mit Auslegern ausgerüstete Achter verwendet.
Den ersten Ruderverein in Deutschland gründeten 11 junge Hamburger Kaufleute im Jahre 1836. In den Folgejahren entstanden vor allem in Hamburg und Berlin weitere bürgerliche Rudervereine.
Mit zunehmendem Ruderbetrieb entwickelten sich auch die Ruderwettkämpfe. Im Jahre 1882 wurde der I. Deutsche Rudertag veranstaltet. Es wurden verbindliche Wettkampfregeln geschaffen und das Regattawesen organisiert.
Bereits 1883 gab es in Deutschland und Österreich 47 Rudervereine, die sich zum Deutschen Ruderverband zusammenschlossen. Im Jahre 1892 wurde der Weltruderverband FISA gegründet und ein Jahr später die ersten Europameisterschaften im Einer, Vierer mit Steuermann und im Achter ausgetragen.
1894 wurden die Olympischen Spiele der Neuzeit begründet. Zu den ersten 10 Sportarten, die an dieser Olympiade teilnehmen durften, gehört auch der Rudersport.
II. Historie der Saarbrücker Rudergesellschaft Undine e.V.
Am 25. April 1925 wurde der Verein von acht Ruderern des Ruder Club Saar e.V. (RCS) gegründet, die mit den Ruder- und Trainingsbedingungen ihres Vereines nicht mehr einverstanden waren.
Die große sportliche Begeisterung, die das Land nach dem ersten Weltkrieg erfasste, bescherte diesem neu gegründeten Sportverein einen enormen Aufschwung. Nach achtzehn Monaten zählte die Saarbrücker Rudergesellschaft Undine e.V. bereits 329 Mitglieder.
Als Bootshaus wurde zunächst ein Schiff angeschafft, das auch die Bootsflotte von zwanzig Einheiten aufnahm. Im ersten Gründungsjahr wurden bereits Regattaerfolge gefeiert. Getragen von der Begeisterung der Mitglieder und dem Wettbewerb der beiden Rudervereine in Saarbrücken entwickelte sich die Saarbrücker Rudergesellschaft Undine e.V. in wenigen Jahren zu einem namhaften Ruderclub mit über 600 Mitgliedern.
1931 wurde das Bootshaus errichtet, das bis heute Mittelpunkt des sportlichen und gesellschaftlichen Vereinslebens ist.
1932 – sieben Jahre nach Gründung des Vereins – ging der Titel des Deutschen Meisters im Vierer mit Steuermann an Athleten der Saarbrücker Rudergesellschaft Undine e.V.
1934 brachte die erste Zweitagesregatta in Saarbrücken dem Verein weitere Erfolge.
Durch den 2. Weltkrieg wurde diese positive Entwicklung gestoppt. Mühsam entwickelte sich nach dieser grausamen Katastrophe, die auch aus unserem Verein zahlreiche Opfer forderte wieder das Vereinsleben. 1950 betrug die Mitgliederzahl 348.
Das Jahr 1951 brachte dem Verein große sportliche Erfolge, wie den Gewinn der Deutschen Meisterschaft im Einer durch Günter Schütt, der seinen Erfolg 1953 – nur zwei Jahre später – wiederholen konnte.
1952 trat das Saarland als selbständige olympische Nation bei den Olympischen Spielen in Helsinki an. Meister-Skuller Günther Schütt (Foto rechts) erreichte einen ganz hervorragenden siebten Platz und wurde damals von der Fachpresse sehr gelobt.
In der über 75 jährigen Vereinsgeschichte wurden für die Saarbrücker Rudergesellschaft Undine e.V. weit mehr als tausend Regattaerfolge verbucht.
Hochrangige Siege bei den Olympischen Regatten, Weltmeisterschaften, FISA-Championaten, Eichkranzrennen, Junioren-Weltmeisterschaften, Deutschen Meisterschaften und den U 23-Weltmeisterschafte (Nations-Cup) sind die herausragende stolze sportliche Bilanz unserer Vereinsgeschichte.
Stellvertretend für viele weitere Top-Sportler seien an dieser Stelle Anja Pyritz und Lenka Wech aus unserer Rudergesellschaft genannt, die im Jahre 2003 in Mailand mit 7 anderen deutschen Athletinnen die Weltmeisterschaft im Achter der Damen errungen haben. Anja Noske ist bei den U 23-Weltmeisterschaften 2008 in Brandenburg/Havel Weltmeisterin im Leichtgewichts-Doppelzweier geworden. Aktuell haben Lenka Wech, Nina Wengert sowie Jochen und Martin Kühner an den Olympischen Spielen in Peking 2008 teilgenommen.
Der Leichtgewichts-Vierer o. Stm. des Ruderverein Saarbrücken e.V., der gemeinsamen "Leistungssportabteilung" von Ruder Club Saar e.V. und Saarbrücker Rudergesellschaft Undine e.V., mit Tobias Franzmann, Tim Ferl sowie Jochen und Martin Kühner wurde bei den Deutschen Rudermeisterschaften auf dem Werratal–Stausee in Eschwege Deutscher Meister 2008.
Unsere heutige Mitgliederzahl beläuft sich auf weit über 400 und die Tendenz ist weiter steigend.
Zuletzt sei noch unser Vereinsbeiname erklärt: Undine (auch Undene, lat. unda = Welle, oder auch französisch Ondine = Nixe) ist ein weiblicher, jungfräulicher Wassergeist. Näheres finden Sie z.B. hier.
